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Oskar oder Osten

von Sebastian Carlens

Lafontaine oder Bartsch? Am Ende entscheidet der Parteitag


Foto: Christian Ditsch/

Verfehlter Wiedereinzug entfacht Personaldebatte: Nach dem 2,5-Prozent-Debakel der Linken in Nordrhein-Westfalen streitet sich die Partei öffentlich über den nächsten Vorsitzenden. Eine Rückkehr Oskar Lafontaines an eine »vordere Stelle« der Partei im Rahmen einer »kooperativen Führung« könne er sich durchaus vorstellen, sagte der Linken-Vorsitzende Klaus Ernst am Montag nach einer Vorstandssitzung in Berlin. Dazu habe es jedoch »unterschiedliche Meinungen« gegeben, teilte Ernst mit. Am ersten Juni-Wochenende entscheidet ein Parteitag in Göttingen über eine neue Führung.

Zu einer möglichen Kandidatur wolle er sich erst nach einem Treffen der Vorstandsgremien am heutigen Dienstag äußern, sagte Oskar Lafontaine am Montag im Deutschlandradio Kultur. Lafontaine stand der Partei bereits zwischen 2007 und 2010 vor. Bisher hat erst Dietmar Bartsch, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Partei, seine Kandidatur angekündigt. Bartsch, der nach einer Affäre um Indiskretionen gegen den damaligen Vorsitzenden Lafontaine im Jahr 2010 nicht mehr als Geschäftsführer antrat, erhält vor allem von den Vorständen der Ostverbände Unterstützung. Der Linksfraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert, lehnte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung (Montagsausgabe) sowohl Lafontaine als auch Ernst als künftige Vorsitzende ab. Klaus Lederer, Linken-Landeschef in Berlin, sagte dem Tagesspiegel, Bartsch habe in der Vergangenheit bewiesen, daß er die Partei »organisieren und führen« könne. Auch aus einzelnen westlichen Verbänden erhält Bartsch Unterstützung. »Wir verbinden mit der Kandidatur von Dietmar Bartsch die Hoffnung auf einen inhaltlichen Neustart für die Partei Die Linke«, heißt es in einem unter anderem von der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Christa Reichwaldt unterzeichneten Aufruf. In dem Papier werden Regierungsbündnisse mit der SPD und den Grünen befürwortet, »wo dies möglich und sinnvoll ist«.

Für Lafontaine als Vorsitzenden, dessen Forderung nach einer »kooperativen Parteiführung« laut Parteikreisen als Ausschlußkriterium für eine erneute Zusammenarbeit mit Bartsch gewertet werden könne, sprach sich unter anderem das Linke-Vorstandsmitglied Wolfgang Neskovic aus. »Bartsch als Parteivorsitzender wäre der Sargnagel für eine gesamtdeutsche Linke«, erklärte er am Montag. Laut Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linke-Bundestagsfraktion, habe Bartsch bewiesen, daß er »weder kooperativ noch integrativ« sei. Lafontaine sei der »erste Kandidat, um die Partei zu führen«. Der Sprecher der Parteiströmung »Antikapitalistische Linke«, Tobias Pflüger, äußerte gegenüber jW, daß sein Parteiflügel die Rückkehr Lafontaines als dringend vonnöten erachte. Bartsch käme hingegen für »kein administratives Amt in der Führung in Frage«.

An den Personalien Lafontaine und Bartsch scheidet sich die Linkspartei. Mit beiden Namen werden unterschiedliche Orientierungen verbunden: Lafontaine, der die Fusion aus der einstigen WASG und PDS vorantrieb, gilt in seiner Partei als Garant für bundesweite Wahrnehmbarkeit und klare soziale Forderungen. Bartsch hingegen, der seine Hausmacht aus der alten PDS mitbrachte, kandidierte bereits im Bundestagswahlkampf 2002 als einer von vier PDS-Spitzenkandidaten, er fungierte außerdem als Wahlkampfleiter. Die PDS scheiterte damals an der Fünf-Prozent-Hürde und verlor ihren Fraktionsstatus.

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